Pferd Bodensee 2012:
Es tut sich was im Wanderreiter-Ländle

- Gerhard Wendel (li.), 1. Vorsitzender des Vereins „Wanderreiten im Hegau e. V.“ und Organisator des Reiterferiendorfes im Gespräch mit einem Besucher
Text und Fotos: Heike Gruber
Vom 10. bis 12. Februar 2012 war Friedrichshafen am Bodensee Dreh- und Angelpunkt der Pferdeszene im Dreiländereck Deutschland, Österreich, Schweiz. Die „Pferd Bodensee“ bot in sieben Messehallen wieder einmal ein umfangreiches Angebot rund um Reitsportbekleidung und -zubehör, Pferdepflege und -fütterung, Hof- und Stalltechnik, Reitanlagenbau und Urlaubsmöglichkeiten mit Pferden sowie ein abwechslungsreiches Tagesprogramm.
Die Halle A4 war der Anziehungspunkt für Freizeit- und Wanderreiter. Im großen Reiterferiendorf konnten sich die Besucher über die vielseitigen Reiturlaubsangebote und Reitregionen in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz informieren. Neben Wanderreitbetrieben, wie z. B. dem Westernstall und Saloon San Jon aus dem Schweizer Engadin, waren auch das Reiturlaubsland Kärnten, verschiedene Reiterreisenanbieter, die VFD und vor allem zahlreiche süddeutsche Reitregionen mit einem Stand vertreten.
Publikumsmagnet im Reiterferiendorf waren u. a. die beiden Mulis vom Wanderreitbetrieb „Mit Pferden auf dem Weg - Wanderreiten auf der rauen Alb“. Geduldig ließen sich die beiden Langohren den ganzen Tag lang kraulen und bekrabbeln und zeigten so auf eindrucksvolle Art und Weise ihren großmütigen Charakter, der sie auch für das Wanderreiten so geeignet macht.
Eines aber wurde im Reiterferiendorf besonders deutlich: Baden-Württemberg hat sich zu einem attraktiven Ziel für Wanderreiter und Reiturlauber entwickelt. Ein großer Teil des Bundeslandes wird mittlerweile durch regionale Wanderreit-Initiativen abgedeckt, die Wanderreitern nicht nur ein landschaftlich überaus reizvolles Reitwegenetz bieten können, sondern auch eine gute Infrastruktur aus Wanderreitstationen und pferdefreundlichen Gastgebern. Gerhard Wendel, 1. Vorsitzender des Vereins „Wanderreiten im Hegau e. V.“ und Organisator des Reiterferiendorfes ist sich sicher, dass der Reittourismus im Ländle ein zukunftsträchtiger Markt ist. Auch deshalb engagiert er sich federführend für die Vernetzung der Wanderreitregionen in Baden-Württemberg. Der 2011 gegründeten „Interessengemeinschaft Wanderreiten und -fahren in Baden-Württemberg“ (Wanderreitregionen in Baden-Württemberg vernetzen sich) gehören mittlerweile acht Reitregionen an: Hegau-Bodensee, Naturpark Südschwarzwald, Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, Heckengäu, Zollernalb, Naturpark Obere Donau, Oberschwaben-Bodensee und Mittlere Schwäbische Alb. „Neu hinzukommen wird in Kürze noch die Region `Reiten zwischen Main und Donau`“ freut sich Wendel, denn damit ist ein weiterer „weißer Fleck“ auf der Landkarte verschwunden. „Außerdem öffnet diese Kooperation auch die Zusammenarbeit über Baden-Württemberg hinaus in das Nachbar-Bundesland Bayern“, so Wendel.
Zusammen wollen die Mitglieder der Interessengemeinschaft das Wanderreiten und -fahren in Baden-Württemberg noch bekannter machen und ein attraktives Angebot für Reiturlauber schaffen. Geplant sind u. a. gemeinsame Präsentationen auf Pferdemessen und Regionen übergreifende Aktionsveranstaltungen, wie z. B. ein Sternritt zum Auftakt der Wanderreitsaison 2012 am 21. und 22. April 2012. Außerdem sollen Pauschalreittouren für Gäste mit dem eigenen Pferd ausgearbeitet werden, d. h. mehrtägige Rundritte, die an einer Wanderreitstation gebucht und ohne weitere eigene Organisation geritten werden können.
Darüber hinaus ist eine enge Kooperation der Interessengemeinschaft mit der VFD im Gespräch. So werden Mitglieder der Interessengemeinschaft z. B. am VFD-Sternritt zur Eurocheval im Juli dieses Jahres teilnehmen und auch die Mitarbeit am Fernwegereitprojekt der VFD wäre möglich.
Wie sich die reittouristischen Projekte in Baden-Württemberg fortan entwickeln, wird allerspätestens bei der nächsten „Pferd Bodensee“ zu erfahren sein, die im Februar 2014 stattfindet. Eines steht jedoch jetzt schon fest: Der eingeschlagene Weg ist viel versprechend, bedarf aber auch des Engagements aller Beteiligten, um das vorhandene Potenzial voll ausschöpfen zu können.
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