Wanderreitregionen in Baden-Württemberg vernetzen sich

Gerhard Wendel ist Gründungsmitglied und Vorstand der neu gegründeten "Interessengemeinschaft Wanderreiten und -fahren in Baden-Württemberg". Wir haben mit ihm über das Projekt und seine Pläne  für das Wanderreiten und -fahren in Baden-Württemberg gesprochen.

Die IG Wanderreiten und -fahren präsentiert sich auf der Internetseite www.pferdeurlaub-bw.de.


WRM:
Ihr habt die „Interessengemeinschaft Wanderreiten und -fahren in Baden-Württemberg“ gegründet. Wer seid Ihr und was hat es damit auf sich?

Wendel: Die Interessengemeinschaft (IG) ist ein Zusammenschluss der momentan bestehenden acht Wanderreit-Netzwerke in Baden-Württemberg. Diese sind entweder als Verein organisiert oder als Interessengemeinschaften und decken jeweils eine bestimmte geografische Region ab. Unsere Wanderreitregionen grenzen aneinander – wir haben deshalb in den vergangenen Jahren bereits mehr oder weniger regelmäßige Kontakte gehabt. Vor zwei Jahren ist dann auf der Messe Pferd Bodensee die Idee entstanden, dass wir uns enger vernetzen könnten, um „als Ganzes“ für das Wanderreiten und -fahren in Baden-Württemberg zu werben. Außerdem wollen wir als IG insbesondere die „Grenzregionen“ besser vernetzen und die Zusammenarbeit der Wanderreitstationen und Betriebe regionsübergreifend ausbauen.

WRM: Wer, also welche Regionen oder bestehenden Wanderreit-Verbünde und -Vereine nehmen an dem Projekt bisher teil?

Wendel: Gründungsmitglieder der IG sind:

- Wanderreiten im Hegau e.V.
- Mittlere Alb zu Pferde e.V.
- Wanderreiten in Oberschwaben bis zum Bodensee e.V.
- Wanderreiten im Naturpark Obere Donau
- IG Wanderreiten auf der Zollernalb
- IG Wanderreiten im Heckengäu
- Wanderreiten im Naturpark Südschwarzwald e.V.
- Wanderreiten im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord e.V.

WRM: Welche Ziele und Visionen habt Ihr?

Wendel: Baden-Württemberg ist ein tolles Urlaubsland für Wanderreiter. Wir haben ein recht liberales Reitrecht und „jede Menge Natur“ zu bieten. Dabei sind die Landschaften sehr unterschiedlich und jede hat ihren besonderen Reiz für Wanderreiter oder -fahrer. Wir wollen als IG deshalb für Baden-Württemberg als „Reiter-Urlaubsland“ werben. In den bestehenden Wanderreit-Netzwerken finden nicht nur Wanderreiter, sondern auch Urlaubsgäste, die Lust auf einen Geländeritt oder eine Fahrt mit der Kutsche oder dem Pferdeschlitten haben, eine Vielzahl an Angeboten.

Nahziel der IG ist zunächst, weitere Regionen im Land zu ermutigen, sich als Wanderreitregion zu vernetzen. Wir sind dabei auch gerne bereit, „Patenschaften“ für neue Regionen zu übernehmen und bei der Vereinsgründung und der Erstellung von regionalen Konzepten für Reiter und Fahrer behilflich zu sein. Mittelfristig möchten wir für ganz Baden-Württemberg eine Sammlung an „Tourenempfehlungen“ von Nord nach Süd und Ost nach West mit Tipps zu Sehenswürdigkeiten und reiterfreundlichen Gastronomiebetrieben aufbauen, die wir dann interessierten Gästen zur Verfügung stellen können. Für die Regionen Hegau-Westlicher Bodensee und Naturpark Obere Donau haben wir solche Touren bereits ausgearbeitet – jetzt soll es auch in den übrigen Regionen vorangehen. Ein Fernziel, das speziell mir am Herzen liegt, ist in naher Zukunft eine „Tour de Ländle“ zu Pferde auf die Beine zu stellen, bei der Wanderreiter aus Nah und Fern eingeladen sind, „Baden-Württemberg auf dem Rücken der Pferde zu erkunden“.

WRM: Welche Vorteile haben Wanderreiter von dieser Vernetzung?

Wendel: Dadurch, dass wir unter den Regionen zusammenarbeiten, können wir bei der Planung der Ritte weiterhelfen und neue Ansprechpartner vermitteln. Wir „übergeben“ sozusagen unsere Gäste von Betrieb zu Betrieb. Wer selbst einmal in „fremden Landen“ mit dem Pferd unterwegs gewesen ist, weiß, wie hilfreich die Unterstützung von fachkundigen Wanderreitern sein kann. Ich selbst habe die schönsten Wege in den Alpen und am Gardasee auf Ritten mit ortskundigen Wanderreitern genießen können und kann das nur empfehlen. Deshalb auch hier der Tipp: Wer nur wenig Zeit hat, sollte vor Ort einen erfahrenen Rittführer engagieren, der die Ritte dann danach plant, welche „Wünsche“ man hat. Der zusätzliche positive Nebeneffekt ist, dass man selbst das Reiten und die Natur viel mehr genießen kann, wenn man sich nicht ständig um die Navigation kümmern muss.

Gerhard Wendel ist Gründungsmitglied und Vorstand der IG Wanderreiten und -fahren in Baden-Württemberg.


WRM:
Sind weitere Kooperationen auch über die Landesgrenze von Baden-Württemberg hinaus geplant?

Wendel: Unser Schwerpunkt als IG ist zunächst die Vernetzung innerhalb Baden-Württembergs – da gibt es noch jede Menge Projekte, die vorstellbar wären. Daneben bestehen aber auf der Ebene der einzelnen Regionen und Betriebe bereits „gewachsene“ Beziehungen zu Wanderreiterregionen außerhalb des Landes. Bei uns im Hegau gibt es traditionell gute Kontakte zu Wanderreitern in der Schweiz, die uns regelmäßig in „Dütschland“ besuchen. Ich selbst habe enge Kontakte zu meinen Kollegen Men Juon (Graubünden) und Erich Küffner (Allgäu), mit denen ich gemeinsame Rittprojekte plane. Außerdem habe ich auf meinem Fernwanderritt Bodensee-Gardasee in den letzten zwei Jahren eng mit Ernst Egger, dem Präsidenten der VFS Südtirol zusammengearbeitet – auch hier gibt es Überlegungen für künftige gemeinsame Projekte – z. B. eine Tour durch die Südtiroler Dolomiten.

Daneben arbeiten wir im Rahmen der IG bereits jetzt mit der VFD als Kooperationspartner zusammen. Auch eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Wanderreiter-Akademie (DWA) und dem ETCD streben wir an. Gemeinsam mit diesen Verbänden wollen wir künftige Projekte vorantreiben. Für 2012 möchten wir uns als IG Wanderreiten und -fahren in Baden-Württemberg der DWA-Stafette „In 80 Tagen von der Nordsee in die Schweiz“ anschließen, die in drei Wochenetappen durch Baden-Württemberg führen wird. Für interessierte Reiter, die gerne einmal durch die Alpen reiten würden, aber z. B. kein Pferd dafür haben, besteht dabei die Möglichkeit, dass ich für die restlichen zwei Etappen durch die Schweiz eine Mitreitmöglichkeit auf zuverlässigen Freibergern meines Kollegen Men Juon vermittle.

WRM: Wo findet man Euch im Internet?

Wendel: Unsere gemeinsame Homepage findet Ihr unter www.pferdeurlaub-bw.de. Dort ist über die digitale Karte des Landes und der Wanderreitregionen auch eine Verlinkung auf die einzelnen Seiten unserer Wanderreit-Netzwerke hinterlegt.

WRM: Möchtest du abschließend noch eine Botschaft an die Leser des WanderreiterMagazins loswerden?

Wendel: Aber klar doch! Zwei Botschaften würde ich gerne loswerden.

Erstens: Wir wissen, dass es in den Regionen, die noch als „weiße Flecken“ in Baden-Württemberg ausgewiesen sind, durchaus schon Wanderreiter und -stationen gibt, die ein informelles Netzwerk gebildet haben. Diese möchte ich ermutigen, sich Gedanken über eine formelle Vernetzung  – sei es als IG oder auch als Verein – zu machen. Fragen dazu beantworte ich gerne.

Zweitens: Das Reisen zu Pferde ist die älteste Form des Reitens – gleichzeitig entspricht das Wanderreiten am ehesten den Grundbedürfnissen des Pferdes als „Dauerbeweger“. Mein Apell ist also: „Lasst uns die Pferde satteln und die Natur auf dem Rücken der Pferde erleben – am besten auf einem Ritt durch Baden-Württemberg“!

WRM: Gerry, wir danken Dir für dieses Gespräch!  

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