Vor den Toren Kölns:
Spiegel der Geschichte - der Naturpark Rheinland
Text und Fotos: Heike Gruber
Zwischen Rhein und Eifel erstreckt sich der Naturpark Rheinland. Inmitten des Köln-Bonner Raums stoßen Freizeit- und Wanderreiter hier auf eine ungeahnte landschaftliche Vielfalt. Hügelige Vulkanlandschaften, Seen und Wälder wechseln mit flachen, landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten. Kleine idyllische Dörfer stehen im Kontrast zu modernen Städten und dort, wo heute junge Laubwälder und Seen zum ausreiten einladen, wurde noch bis ins 20. Jahrhundert hinein mit tonnenschweren Baggern die Braunkohle abgebaut.
Nicht spektakulär, sondern eher bescheiden kommt sie daher, die Schönheit des Naturparks Rheinland. Überwiegend flach und ohne grandiose Landschaften. Dafür aber mit vielen spannenden Zeugnissen einer seit Jahrtausenden andauernden Bewirtschaftung und Besiedelung durch den Menschen und mit unzähligen kleinen ökologischen und kulturhistorischen Schätzen, die sich manchmal erst beim genaueren Hinsehen entdecken lassen. Genau richtig also für den, der das Gebiet auf dem Rücken eines Pferdes erkundet, gemächlich und ohne die Hektik des Alltags.
Immerhin kann der Naturpark gleich mit sieben verschiedenen Landschaftstypen aufwarten, die alle ihren ureigenen Charme entfalten. Und keine andere europäische Landschaft kann auf vergleichbar engem Raum so viele Burgen, Herrenhäuser und Schlösser aufweisen, wie die Region südwestlich von Köln.
Ein weites Reitwegenetz bietet hier unterschiedlichste Möglichkeiten für kürzere oder längere Ausritte durch Wald, freies Gelände oder über die Ville-Seen-Platte. Die zahlreichen Seen sind letzte und schöne Zeugen des bis ins 20. Jahrhundert andauernden Braunkohlenabbaus auf der Ville. Im Zuge der Rekultivierung entstanden hier Feldfluren, junge Laubwälder und eben Seen – über vierzig an der Zahl.
Obst, Gemüse und der Bergbau
Der Rhein bildet die natürliche östliche Grenze des Naturparks. Westlich schließt sich die Köln-Bonner Rheinebene an, die der Fluss selbst geformt hat. Durch seine regelmäßigen Überflutungen entstanden hier fruchtbare und mächtige Böden. Gemüse, Obst und Blumen gedeihen darauf prächtig; nicht umsonst hat die Region schon seit der Römerzeit den Ruf als „Rheinischer Obst- und Gemüsegarten“. Etwas weiter westlich geht es steil hinauf über das Vorgebirge auf die Ville, einen etwa 50 Kilometer langen Höhenzug. Oben angekommen, wird man mit einem fantastischen Panoramablick über die Rheinebene zwischen Köln und Bonn belohnt.
Von Römern, Rittern und Fürsten
Zwischen Eifel im Westen und Ville im Osten erstreckt sich die Börde, ein landwirtschaftlich intensiv genutztes Gebiet. Ständiger Begleiter ist eine frische Brise, die über die weiten Getreide- und Zuckerrübenfelder weht. Der Wind war es auch, der während der letzten Eiszeit eine meterdicke Lößschicht hierher trug, die bis heute die Grundlage für den fruchtbaren Ackerboden bildet.
Bereits zur Zeit der Römer existierten hier bäuerliche Hofanlagen, welche die Garnisonen am Rhein versorgten. Später waren es Rittergüter, die den herrschaftlichen Einflussbereich sicherten. Heute sind die zahlreichen Gutshöfe und Wasserburgen entlang der Flüsse Swist und Erft interessante Ausflugsziele.
Wer den Wald vorzieht, folgt im Kottenforst den Spuren des Kurfürsten Clemens August. Ein günstiger Ausgangspunkt für Reittouren durch das ehemalige kurfürstliche Jagdgebiet ist der Bahnhof Kottenforst. Nicht nur die breiten und prächtigen Alleen sind ein Kapitel der langen Geschichte dieses Waldgebietes. Auch die Wegekreuze an markanten Knotenpunkten und das einst als Relais-Station für frische Pferde dienende Jägerhäuschen mitten im Wald erinnern an frühere Zeiten. Auf gut markierten Reitwegen, meist parallel zu den Hauptwegen, lassen sich aber auch die verschiedenen kleinen ökologischen Highlights und Naturdenkmäler entdecken, die der Kottenforst zu bieten hat, z. B. stattliche alte Bäume aus der Kaiserzeit.
Heimat für gefährdete Pflanzen und Insekten
Eine ganz andere Landschaft findet man im Süd-Osten des Naturparks. Hier liegt das Drachenfelser Ländchen, dessen herausragende Bergkuppen sichtbare Beweise seiner vulkanischen Vergangenheit sind. Herrliche Ausblicke eröffnen sich auf das Siebengebirge und die Eifel.
Hier befindet sich auch der Rodderberg, eine geologische und ökologische Kostbarkeit. Mit einem Alter von etwa 500.000 Jahren ist er der jüngste Vulkan der Region. Sein eindrucksvoller, über 50 Meter tiefer, kreisrunder Krater mit Hängen aus basaltischem Tuff und Schlacke ist ein einmaliges geologisches Denkmal. Als trockene und sonnige Wärme-Insel ist der Rodderberg gleichzeitig ein wichtiger Rückzugsraum für gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Hier blühen sie noch, der vom Aussterben bedrohte Purpur-Sommerwurz oder die Kartäusernelke. Aber auch seltene Insekten, wie der farbenfrohe Schwalbenschwanz, das auffällige Blutströpfchen und die Blauflügelige Ödlandschrecke, finden am Rodderberg noch Lebensräume.
Das Tor zur Eifel
Ganz im Süden des Naturparks, direkt hinter dem kleinen Fachwerkstädtchen Rheinbach, beginnt der Anstieg zur Eifel. Alte Eichen- und Buchenwälder laden zu ausgedehnten Ausritten ein, muntere Bäche durchschlängeln den Wald. Den guten Überblick, den der Eifelanstieg bietet, wussten bereits unsere Vorfahren zu schätzen und bauten hier ihre Burgen. Rund um die Ruine der Tomburg gibt es viele wunderschöne Reitwege, die erobert werden wollen.









