Tief im Westen:

Unterwegs im Nationalpark Eifel

© Nationalparkforstamt

Sehen, hören und staunen – am westlichsten Ende Deutschlands geben sich Schwarzstorch, Wildkatze und Biber ein Stelldichein. Hier, im Nationalpark Eifel, lässt sich die Faszination Wildnis noch hautnah erleben. Welch ein Vergnügen, die majestätischen Buchen- und Eichenwälder mit dem Pferd zu durchstreifen.

Gerade einmal 65 Kilometer südwestlich der brodelnden Großstadt Köln herrschen Ruhe, Einsamkeit und Natur. Verwunschene Wälder, blühende Wiesen, rauschende Bäche und karge Felsen sind die landschaftsprägenden Elemente dieses einmaligen Großschutzgebietes. Die Vielfalt der Lebensräume bedingt einen Reichtum an seltenen Tier- und Pflanzenarten, der seinesgleichen sucht. Da wäre z. B. die größte in Mitteleuropa noch existierende zusammenhängende Wildkatzen-Population. Da wären außerdem der äußerst seltene Schwarzstorch und der Uhu. Da wären seltene Moose und Flechten oder die gelbe Wildnarzisse, die manche Wiese im Frühjahr in ein gelbes Blütenmeer verzaubert. Insgesamt wurden hier etwa 930 bedrohte Tier- und Pflanzenarten nachgewiesen.

Knorrige Eichen, schlanke Buchen und dunkle Fichten

© Stefan Lehrke

Rund ein Drittel der Nationalparkfläche werden von naturnahen Buchen- und Eichenwäldern bedeckt. Und es soll noch mehr werden. Die einst flächendeckenden „Ur-Laubwälder“ der Eifel waren durch den Menschen fast gänzlich verschwunden. Lange Zeit wurde ihr Holz zur Holzkohleherstellung und die Eichenrinde zum Gerben von Leder genutzt. Große Waldflächen wurden außerdem in Weide- und Ackerland umgewandelt. Heute sind die Laubwälder einer der Hauptgründe für die Ausweisung als Nationalpark und dort, wo früher Bäume gefällt wurden, können sich hohe schlanke Buchen und knorrige Eichen ihren Platz zurückerobern. Im Unterholz sind neben Rothirsch, Reh und Mufflon scheue Wildkatzen, Baummarder und andere seltene Tiere zuhause.

Die von Fichten geprägten Nadelwälder im Süden des Nationalparks sind das Ergebnis planmäßiger Aufforstungen in den letzten 150 Jahren. Wegen ihres rascheren Wuchses wurden diese Bäume oft gegenüber den heimischen Baumarten bevorzugt. Ein Hauptziel des Nationalparks ist es, auch hier wieder die ursprünglichen Laubwälder entstehen zu lassen.

Bäche und Flüsse – Lebensadern der Landschaft

Aber nicht nur die Wälder sind es, die das Gebiet so bemerkenswert machen. Was wäre der Nationalpark ohne sein Wasser. Wildbäche in engen Tälern, gemächlich fließende Wiesenbäche, kalte und klare Quellen. Wie Lebensadern der Landschaft durchziehen sie den Nationalpark und bieten vielen verschiedenen Pflanzen- und Tierarten Raum zum Leben.

Dreiborner Hochfläche und „Burg“ Vogelsang

© vogelsang ip gemeinnützige GmbH

Seit Januar 2006 gehört auch die Dreiborner Hochfläche rund um die ehemalige „NS-Ordensburg Vogelsang“ zum Nationalparkbezirk. Die Burg wurde in den 1930er-Jahren als Ausbildungsstätte für den Parteinachwuchs der NSDAP erbaut. Nach dem Krieg wurde das Gelände zum internationalen Truppenübungsplatz, zuletzt der belgischen Streitkräfte. Mit dem Ende des kalten Krieges wurde der Standort Vogelsang zum Ende des Jahres 2005 aufgegeben. Heute entwickelt sich Vogelsang zu einem internationalen Treffpunkt für Information, Erholung und vielfältiges Lernen. Und in Zukunft wird hier auch das Nationalparkzentrum untergebracht sein.

Aber auch ökologisch begann mit dem 1. Januar 2006 eine neue Epoche für die Dreiborner Hochfläche. Hier entwickeln sich jetzt weite Graslandflächen und im Mai verwandelt das „Eifelgold“, der gelb blühende Besenginster, die Landschaft in ein goldenes Blütenmeer.

Reiten im Nationalpark

Der Schutz der Natur hat oberste Priorität. Nichtsdestotrotz ist es auch ein Ziel, die Einzigartigkeit dieser Landschaft für Menschen erlebbar zu machen, das gilt auch für Reiter. Allerdings müssen dabei einige Regeln und Gesetze beachtet werden: So ist das reiten nur auf öffentlichen Straßen und auf gekennzeichneten Wegen und Plätzen erlaubt. Insgesamt wurden im Nationalpark bislang 65 Kilometer Reitwege zur Verfügung gestellt, die durch eine entsprechende Beschilderung kenntlich gemacht sind.