Verirren war einmal:

Reiten mit GPS

Text und Fotos: Heike Gruber

Für viele Wanderer ist es mittlerweile Standard, für die meisten Autofahrer sowieso. Und auch für Reiter wird es zunehmend interessant: die Routenplanung und Navigation mit GPS. Die Vorteile liegen auf der Hand. Ein Verirren in unbekanntem Gelände wird fast unmöglich, auch schlecht beschilderte Reittouren können problemlos nachgeritten werden und im Notfall ermöglicht die genaue Positionsbestimmung schnelle Hilfe. Darüber hinaus kann der elektronische Tourenguide eine bereits zurückgelegte Strecke, die dabei überwundenen Höhenmeter und die Geschwindigkeit aufzeichnen.

Ich bin neugierig auf diesen Alleskönner geworden und möchte ihn ausprobieren. Das kleine Gerät in meinen Händen sieht ein bisschen aus wie ein Handy. Allerdings hat es hat ein viel größeres Display, wirkt deutlich robuster und lässt sich über einen großen Karabinerhaken bequem am Sattel meines Pferdes befestigen.  Der GPS-Empfänger, den ich mir für das Wochenende ausgeliehen habe, soll den Streckenverlauf unseres heutigen Ausritts genau aufzeichnen. Heute Abend möchte ich die Tour dann am PC auf der Karte nachvollziehen und meinen Freunden zum Nachreiten zur Verfügung stellen.

Das GPS hat nach dem Einschalten automatisch unsere Position gefunden und zeigt diese durch einen großen blauen Pfeil auf der Karte an. Ich aktiviere die Trackaufzeichnung und los geht`s. Zunächst reiten wir über Feldwege und Straßen, bis wir nach eine guten halben Stunde den Wald erreichen. Bis hierhin hat das Gerät zuverlässig unsere Route, im GPS-Sprachgebrauch „Track“ genannt, aufgezeichnet. Das kann ich auf der Karte im Display gut erkennen. Ich bin gespannt, ob das auch im Wald unter einer dichten Blätterkrone so gut funktioniert. Wir reiten weiter und ein Richtungspfeil zeigt permanent auf unser vorher eingegebenes Ziel. Ein Verreiten ist so eigentlich unmöglich und zusätzlich können wir markante Wegepunkte oder schöne Picknickplätze entlang der Strecke fast punktgenau markieren.

Was heißt eigentlich GPS und wie funktioniert es?

GPS steht für „Global Positioning System“ und ist ein satellitengestütztes Ortungs- und Navigationssystem. Es wurde vom US-Militär entwickelt und wird bis heute von ihm kontrolliert. In etwa 20.000 Kilometern Höhe umkreisen GPS-Satelliten die Erde und senden Signale aus, die von einem GPS-Empfänger, also z. B. meinem GPS-Gerät, gespeichert werden. Erhält mein GPS-Empfänger mehrere dieser Signale, kann er meine Position bestimmen.

Stark vereinfacht funktioniert das so: Jeder Satellit sendet eine Mitteilung nach dem Schema „Ich bin Satellit X, meine Position ist gerade Y und diese Nachricht wurde zum Zeitpunkt Z versandt“. Der GPS-Empfänger erhält diese Nachricht und vergleicht die Zeit, zu der das Signal ausgesandt wurde, mit der Zeit, zu der er das Signal empfangen hat. Aus dieser Zeitdifferenz kann er dann die Entfernung des Satelliten berechnen. Und mit mehreren Entfernungsbestimmungen lässt sich die aktuelle Position bestimmen. Aber eben nicht nur die Position, sondern auch die Bewegungsrichtung, die Geschwindigkeit und die Höhe.

Auf den Meter genau

Nach dem Ritt schaue ich auf das Display und sehe auf der Karte eine blaue Linie, die anzeigt, wo wir entlang geritten sind: Erst über die Felder, dann durch den Wald, wieder hinaus auf die Felder und zurück zum Stall. Der Streckenverlauf sieht meiner Meinung nach ziemlich genau aus und auch im Wald sehe ich keine Aussetzer. Aber wie genau ist GPS eigentlich?

Die präzisesten GPS-Empfänger sind die militärisch verwendeten Geräte, die geographische Positionen zentimetergenau bestimmen. Auch die in der Landesvermessung verwendeten Empfänger erreichen Genauigkeiten von bis zu wenigen Zentimetern, sie kosten allerdings auch mehrere Tausend Euro. Bis zum 1. Mai 2000 wurde das GPS-Signal für zivile Nutzer vom amerikanischen Militär durch einen Störfaktor verwischt, sodass Genauigkeiten von nur etwa 100 Meter erreicht wurden. Dann jedoch schalteten die USA das so genannte „Selective Availability“ ab, sodass gängige GPS-Empfänger für die private Nutzung heute eine Genauigkeit von bis zu wenigen Metern bieten.

Übrigens bauen die Europäer zurzeit ein eigenes Satellitennavigationssystem auf: Mit „Galileo“ wird sich Europa endlich vom GPS der USA emanzipieren und in der Satellitennavigation auf eigenen Füßen stehen. Galileo soll auch zivilen Nutzern bis auf wenige Zentimeter genaue Positionsbestimmungen ermöglichen. Der Endausbau von Galileo ist für 2013 geplant.

Von offline zu online

Zuhause lade ich die Tour als gpx-Datei auf meinen Rechner. Das funktioniert ganz einfach über einen USB-Anschluss. Das GPS-Gerät wird dabei wie ein externes Laufwerk erkannt. Auf der digitalen Karte kann ich mir dann den Streckenverlauf unseres Rittes genauer ansehen. Außerdem sehe ich, dass wir für die rund 11 Kilometer ca. 1,5 Stunden gebraucht haben und dass es nicht sehr hügelig war. Letzteres zeigt mir das automatisch angelegte Höhenprofil.

Um die Tour nun wie geplant meinen Freunden zur Verfügung zu stellen, habe ich zwei Möglichkeiten: Entweder versende ich sie per Mail oder ich stelle sie als sogenannte „Overlay-Datei“ im Internet, z. B. bei www.gps-tour.info, zur Verfügung. Ich entscheide mich für Letzteres. Wer die Tour nachreiten möchte, muss nun lediglich die gpx-Datei downloaden und auf sein eigenes GPS-Gerät aufspielen – fertig.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Bei aller Begeisterung sei aber dennoch davor gewarnt, sich allein auf die Technik zu verlassen. Auch ein GPS ist lediglich ein elektronisches Gerät, das unter Umständen mal nicht funktioniert. Sei es, weil die Batterie leer ist, sei es, weil der Empfang plötzlich doch nicht mehr so gut ist. Karte und Kompass gehören deshalb nach wie vor zur Standardausrüstung des Wanderreiters!

Und natürlich ist ein GPS kein Muss. Die gute alte Papierkarte erfüllt ihren Zweck immer noch sehr gut, vorausgesetzt man kann sie lesen. Ein wenig üben sollte man den Umgang mit dem GPS allerdings auch. Und ein paar Computerkenntnisse sind notwendig, um die digitalen Routen richtig nutzen zu können. Dann allerdings ist ein hoher Spaßfaktor garantiert!

Das wichtigste zum Schluss: Was kostet der Spaß?

Der interessierte Reiter hat die Qual der Wahl. Eine Fülle verschiedener Geräte aus ganz unterschiedlichen Preissegmenten und von unterschiedlichen Anbietern steht auf dem Markt zur Verfügung. Wer auf die Kartendarstellung auf dem Display verzichten kann und möchte, wird schon in der Preisklasse um 100 Euro fündig. Geräte mit Kartendarstellung bekommt man ab rund 200 Euro. Zum Preis für das GPS-Gerät kommen dann aber noch die Kosten für die benötigte digitale Kartengrundlage dazu. Hier muss man noch mal mit gut 200 Euro rechnen. Generell gilt: Nicht nur das teuerste ist gut genug. Hinschauen und vergleichen lohnt sich!

Wer noch mehr Informationen zum Thema GPS sucht, wird bei unten stehenden Links bestimmt fündig.

Allgemeine Infos zum Thema GPS

www.kowoma.de/gps/

http://de.wikipedia.org/wiki/Global_Positioning_System

Literatur zum Thema

Uli Benker
GPS auf Outdoor-Touren
Praxisbuch und Ratgeber für die GPS-Navigation

Alles über die moderne Art der Orientierung für Outdoorfans [mehr über dieses Buch]

 
 
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