VFD Interview

Neues Reitrecht vor dem Durchbruch?!

Das ist unfair: In Sachsen und in NRW ist das Reiten im Wald und in der freien Landschaft per Gesetz verboten. Es gibt Ausnahmen. Doch auch die haben ihre Tücken. Zahlreiche Verbände, allen voran die VFD, setzen sich für eine Lockerung des Reitrechts ein. Was sie bisher erreicht haben, warum sie in Sachsen gegen die Wand gefahren sind und welche Hoffnungen es für NRW gibt, erklärt der ehemals 2. Bundesvorsitzende der VFD, Albert Schwan. Er beschäftigt sich intensiv mit Reitrechtsfragen.

Wanderreiter Magazin: Der Anlass der VFD Gründung war das Reitrecht in NRW. Was wurde erreicht und wie sieht das Reitrecht in ganz Deutschland heute aus?

Albert Schwan: Die Gründung der VFD, der Vereinigung für Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland, geht auf die zunehmenden Reit- und Fahrverbote in den 70er Jahren zurück. Seitdem haben wir gute Fortschritte erzielt und konnten - Schritt für Schritt - in den meisten Bundesländern vernünftige Regelungen durchsetzen. Es darf dort praktisch auf allen geeigneten Wegen geritten und gefahren werden, sowohl in der freien Landschaft, als auch im Wald. Weil das Reitrecht aber Ländersache ist, gibt es immer noch unterschiedliche Regelungen mit überflüssigen Beschränkungen und Gängeleien, beispielsweise in Nordrhein-Westfalen (NRW) und in Sachsen.

Wanderreiter Magazin: In NRW und Sachsen gilt also immer noch ein sehr eingeschränktes Reitrecht. Wo darf dort überhaupt geritten werden?

Albert Schwan: Für NRW gilt: In den sogenannten Freistellungsgebieten darf in der freien Landschaft auf den Wegen geritten werden, im Wald ebenfalls. Freistellungsgebiete sind bestimmte Gegenden und Kommunen abseits unserer Ballungsgebiete. Ansonsten gilt: Reiten leider nur auf Reitwegen.

Außerdem dürfen keine Wanderwege beritten werden, was dann praktisch zu einem totalen Reitverbot führen kann, wenn unsere Waldwege - wie so oft - allesamt als Wanderwege ausgewiesen wurden. Genauso ärgerlich, weil bürokratisch und überflüssig, ist auch die Reitabgabe samt Kennzeichnungspflicht für Pferde.

Ähnlich die Situation in Sachsen: Dort ist das Reiten im Wald nur auf gekennzeichneten Reitwegen erlaubt, von denen es dann leider auch noch viel zu wenige gibt. Doch immerhin hat Sachsen - im Gegensatz zu NRW - inzwischen auf Reitabgabe und Plakettenpflicht verzichtet.

Reiten in freier Natur ist das Schönste! Doch erlaubt ist es auf diesem Wanderweg in NRW nicht.

Wanderreiter Magazin: In Sachsen stand die VFD kurz vor dem Durchbruch – Das Reitrecht sollte gelockert werden. Doch im letzten Moment machte die Politik eine Kehrtwende. Was bedeutet das für Sachsen? Und welche Auswirkungen hat das auf NRW? Wie geht die VFD dort jetzt weiter vor?

Albert Schwan: Das Malheur in Sachsen hat uns ereilt, weil die neue Landesregierung sich nicht mehr daran gebunden fühlt, was die alte Regierung noch im Vorjahr mit uns und dem Pferdesportverband entwickelt und vereinbart hatte. Der Grund für die Kehrtwende: Druck der einflussreichen Waldlobby. Das sind alle diejenigen, die am liebsten niemanden, außer sich selber, im Wald haben wollen.

Unseres Erachtens verstößt Sachsen mit seiner restriktiven Haltung gegen das Bundesrecht. Denn laut Bundeswaldgesetz darf das generelle Betretungsrecht - auch für uns Reiter - nur aus wichtigem Grund eingeschränkt werden, also nicht pauschal und somit willkürlich. Vorerst bleibt uns nichts anderes übrig, als auf die Einsicht der Parlamentarier zu hoffen.

Auswirkungen auf NRW sind nicht in Sicht. Hier erwarten wir von der Landesregierung noch in diesem Jahr die längst angesagte Novellierung mit erheblichen Verbesserungen und Erleichterungen. Daran arbeiten wir seit 2008, übrigens in enger Abstimmung mit den Pferdesportverbänden PSVR (Pferdesportverband Rheinland) und PSVW (Pferdesportverband Westfalen). Die Verbändebeteiligung soll im Juni starten. Der Referentenentwurf orientiert sich - wie wir im Januar im Ministerium erfahren haben - am Ergebnis der von uns initiierten Evaluierung der BTE aus dem Jahre 2011.

Fußgänger und Radfahrer dürfen den Weg benutzen - Reiter nicht. Der Grund dafür ist oft nicht ersichtlich.

Wanderreiter Magazin: Wenn das Reitrecht überall zur Zufriedenheit der Reiter novelliert  wurde – wie definiert sich die VFD dann unabhängig davon?

Albert Schwan: Ihr Wort in Gottes Ohr. Aber das Reitrecht wird erst dann überall zur Zufriedenheit der Reiter novelliert sein, wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen. Das heißt: Eine Abnahme der Tendenz zur (überflüssigen) Regulierung lässt sich in den Ländern leider nicht feststellen. Ganz im Gegenteil. Und dann gibt es auf europäischer Ebene noch eine Menge Arbeit. Denn leider haben unsere VFD-Anschlussverbände und Partnerverbände im Ausland manchmal genauso mit Ge- und Verboten zu kämpfen, wie wir hier in Deutschland. Mit denen gemeinsam setzen wir uns auch über die Grenzen hinweg für ein möglichst freies Reiten ein.

 

Wanderreiter Magazin: Wie sieht es eigentlich mit der Pferdesteuer aus? Wie setzt die VFD sich dagegen sein?

Albert Schwan: Die VFD hat sich von Anfang an kräftig in´s Zeug gelegt und - sowohl separat wie auch im Aktionsbündnis, das heißt zusammen mit der FN und der APP - zahlreiche Aktionen, Demos und Resolutionen initiiert und hat Finanzsaufsichtsbeschwerden bei der Kommunalaufsicht, Beschwerden bei den Politikern oder den zuständigen Stellen, sowie eine Petition beim Hessischen Landtag eingereicht. Inzwischen erweist sich, was leicht vorauszusehen war: Die Steuer ist für die Kommunen in jeder Hinsicht nachteilig. Beispiel Bad-Sooden-Allendorf: Veranschlagte Einnahmen 30 000 Euro, eingenommen ca. 8000 Euro. 

Wir haben daher die Hoffnung, dass die Steuer, da sie sich für die Kommunen als kotraproduktiv erweist, auf Dauer an Attraktivität verliert. Trotzdem werden wir weiter auf der Hut sein und weiter - wie bisher - im Aktionsbündnis für Unterstützung, Information und Beratung der Pferdehalter in den Kommunen sorgen, bei denen das Thema auf die Tagesordnung des Finanzausschusses gerät.

 

 
 
Anzeigen


  Ampascachi


  Boeckmann


  Fischer