Vorbereitungen:

Die richtige Planung eines Wanderritts

Damit ein Wanderritt richtig viel Spaß macht und Pferd und Reiter entspannt sein können, ist die richtige Vorbereitung unerlässlich. © Robert Claus


Text: Robert Claus, www.robert-claus.de

Der Winter ist die beste Zeit zur Vorbereitung und Planung eines Wanderrittes. An den langen Abenden lässt sich ohne Zwang über Termine, die Konstellation sowie über die Länge des Wanderrittes diskutieren. Weitere wichtige Aspekte, die in die Überlegungen einbezogen werden müssen sind die Streckenführung und natürlich der Zielort.

Bei der Streckenführung gibt mehrere Varianten, die alle Vor- und Nachteile haben. Problemlos ist ein Rundritt mit Start und Ziel am heimischen Stall. Der Ritt wird meistens in bekanntem Gelände durchgeführt, was die Vorbereitung sehr erleichtert. Die Quartiere sind nicht neu, die Strecke ist größtenteils schon öfters geritten worden und ein Pferdetransport entfällt. Alle anderen Varianten benötigen eine umfangreiche Planung:

- Ritt vom heimischen Stall zum Zielort

- Rundritt in unbekanntem Gelände; Start ist gleichzeitig auch Ziel

- Ritt in unbekanntem Gelände von A nach B

- Ritt durch unbekanntes Gelände zurück nach Hause

Bei diesen vier Formen des Wanderrittes müssen die Reiter mobil sein und über einen Pferdeanhänger verfügen. Die Frage, ob die Ausrüstung auf dem Pferd mitgeführt oder im Tross nach transportiert wird, muss geklärt werden. Außerdem sollte einer der Mitreiter den Umgang mit Karte und Kompass beherrschen.

Der Zielort

Der Wanderritt wird vollends abgerundet, wenn am Ende der Tour ein großes Fest wartet, wo sich Gleichgesinnte treffen, man mit ehemaligen Weggefährten feiern und natürlich am Lagerfeuer von seinen Erlebnissen berichten kann. Aus diesen Gründen empfehle ich den Wanderritt zu einem Sternritt oder zu einem Reitertreffen zu planen. Überall in Deutschland werden von Mai bis in den Herbst schöne Reiterfeste organisiert, sodass es nicht schwer fallen wird, einen geeigneten Zielort zu finden. Sind das Ziel, die Strecke und die Teilnehmer an der Tour festgelegt, beginnt die eigentliche Arbeit. Die weitere Planung umfasst:

- die Festlegung der Tagesetappen sowie

- die Orte, in denen übernachtet werden soll.

Karte und Kompass sind unverzichtbare Hilfsmittel bei einem Wanderritt. © pixelio.de


Wie geht man nun am besten vor? Zuerst schauen wir uns die Strecke auf einer Straßenkarte, Maßstab 1:250.000 oder 1:200.000, an. Dieser relative kleine Maßstab hat den Vorteil, dass man einen Überblick über die nähere Umgebung der Strecke erhält. Besonders wichtig sind die künstlichen und natürlichen Hindernisse, wie Eisenbahnlinien, Autobahnkreuze und größere Gewässer oder Berge, die eventuell umritten werden müssen.

Auf der Generalkarte wird nun die Luftlinie vom Start zum Ziel gezogen. Auf der eingezeichneten Linie sind die Orte zu erkennen, die auf dem Ritt tangiert werden, außerdem können nun beim zuständigen Landesvermessungsamt oder in einer Buchhandlung die entsprechenden Karten bestellt werden. Ich empfehle topografische Karten TK 1:50.000 mit Wanderwegen. Sie sind mehrfarbig und alle wichtigen Wanderwege sind verzeichnet. Da inzwischen fast überall in Deutschland auf Wanderwegen geritten werden darf, haben die Reiter an den Wegmarkierungen gute Anhaltspunkte. Nun suchen wir links und rechts von der Linie geeignete Wege, die geritten werden sollen.

Müssen Straßen passiert werden? © Robert Claus
Können die Pferde zwischendurch getränkt werden? © WM


Die Vorstellungen über das Aussehen der Strecke sind im Wohnzimmer in der Regel völlig anders, als die Gegebenheiten, die wir auf dem Ritt vorfinden. Aber gerade darin liegt der Reiz eines Wanderrittes in unbekanntem Gelände. Eine Überlegung sollte allerdings unbedingt angestellt werden: Die Länge der Strecke muss auf jeden Fall dem Leistungsvermögen der Reiter und Pferde angepasst werden. Das bedeutet, dass die Tagesetappe im Zweifelsfalle nicht zu lang gestaltet werden sollte. In unbekanntem Gelände hat sich eine Streckenlänge von ca. 25 Kilometer bewährt. Man kommt relativ entspannt im Quartier an und hat den Kopf noch frei für einen Besuch von Sehenswürdigkeiten am Etappenort, einen Schwimmbadbesuch oder einen Bummel durch die nähere Umgebung.

Die eingezeichnete Strecke kann nun mit dem Kilometerzähler (oder Kurvimeter) abgerändelt werden, der ermittelte Wert muss mit 1,4 (bei relativ ebener Strecke) oder mit 1,7 (bei bergigem Streckenverlauf) multipliziert werden. Man erhält nun fast auf den Kilometer genau die tatsächlich zu reitende Strecke, die auf dem Ritt zurückgelegt wird.

Der nächste Schritt der Vorplanungen ist der schwierigste und oft sehr zeitaufwendig: die Suche nach geeigneten Quartieren. Aber auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die man unter Umständen alle ausschöpfen muss:

- Anruf beim örtlichen Fremdenverkehrsverein, Reitverein oder Bürgermeister

- Inzwischen haben sich in vielen Regionen Deutschlands, zum Beispiel in der Eifel, Hunsrück, Pfalz, Westerwald, dem Saarland, in Hessen sowie in Niedersachsen, Naturpark Südschwarzwald, Wendland und Altmark Pensionen, Gasthöfe, Reiterhöfe und Hotels zu Projekten zusammengeschlossen, die Pferd und Reiter Unterkünfte anbieten.

- Eine weitere Möglichkeit ist, über Reitfreunde an Privatquartiere zu gelangen, die allerdings oft nur kleinen Gruppen von zwei bis vier Reitern aufnehmen können.

In vielen Regionen, wie z. B. in der Eifel, bieten organisierte Wanderreitstationen Unterkunft für Pferd und Reiter. © WM


Die Quartiersuche kann am Telefon erledigt werden, wenn man die Adresse aus einem Quartierverzeichnis entnommen hat. Hat man die Anschrift aber von einem Bekannten oder stammt sie aus einer nicht unbedingt zuverlässigen Quelle, ist es ratsam, sich die Unterkünfte im Vorfeld anzusehen.

Wenn die Strecke steht und die Quartiersuche erfolgreich beendet ist, müssen noch zahlreiche „Kleinigkeiten“ erledigt werden, bevor der Wanderritt beginnen kann. Hierzu gehört das Training des Pferdes, die Zusammenstellung der Ausrüstung, eventuelle Reparaturen von Lederzeug, es muss auch an den Hufbeschlagrhythmus gedacht und die Pferde sollten geimpft werden. Im Vorfeld des Rittes müssen sich die Reiter über die gesetzlichen Vorschriften in anderen Bundesländer oder, wenn Landesgrenzen überschritten werden, gar des Auslandes informieren. Sehr wichtig ist auch das richtige Füttern auf der Strecke. Wer ganz sicher gehen will, nimmt das gewohnte Futter mit oder deponiert es vorher bei den Stationen.

Ist die Ausrüstung in Ordnung? Das sollte auf jeden Fall rechtzeitig vor Abritt überprüft werden. © WM


Gut eine Woche vor dem Abritt sollte man alle Quartiere noch einmal anrufen und sich die Übernachtung bestätigen lassen. Meist wurde das Quartier schon Monate vorher bestellt und es kann schon mal passieren, dass man vergessen wurde und die Pension oder das Hotel an dem betreffenden Tag belegt ist.

Zu empfehlen ist die Erstellung einer Checkliste, die alle Aufgaben enthält, die vor Abritt zu erledigen sind. Dann bleiben große Überraschungen erspart und der Wanderritt wird schon bei der Planung zu einem angenehmen Erlebnis.

Zehn Planungstipps

1. Die Strecke nie zu lang planen, 20 bis 25 Kilometer am Tag sind genug!

2. Der erste Wanderritt sollte nicht länger wie zwei bis drei Tage dauern.

3. Die Reitgruppe sollte am Anfang nicht zu groß sein.

4. Ein der Mitreiter/innen muss im Umgang mit Karte und Kompass geübt sein.

5. Auf topografischen Karten 1:50.000 sind alle großen Wanderwege eingezeichnet. Inzwischen gibt es Freizeitkarten, auf der auch die Sehenswürdigkeiten verzeichnet sind.

6. Ein Trossfahrzeug erleichtert den Gepäcktransport und entlastet den Pferderücken.

7. Die gesetzlichen Vorschriften des jeweiligen Reitgebietes beachten!

8. Die Pferde müssen vor der Tour trainiert werden.

9. Ein Fest sollte am Ende des Wanderrittes eingeplant werden.

10. Am dritten oder vierten Reittag eine kurze Etappe einlegen.


Über den Autor:

Robert Claus ist Wanderreitführer (VFD/DWA) und freiberuflicher Fotojournalist. Seit vielen Jahren führt er erfolgreich Wanderritte in Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Belgien, Italien und den Niederlanden. Seine Reportagen und Berichte erscheinen regelmäßig z. B. in Pegasus freizeit im Sattel. Robert Claus ist außerdem Autor verschiedener Fachbücher, sein neuestes ist der Titel "Mit Pferden draußen unterwegs", erschienen im Cadmos-Verlag, 2009.

 
 
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