Wanderreiten lernen:

Die Wanderreiter-Ausbildung im Islandpferde-Reiter- und Züchterverband Deutschland (IPZV) e. V.

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Neben VFD, FN und Deutscher Wanderreiter-Akademie e. V. bietet auch der Islandpferde-Reiter- und Züchterverband Deutschland (IPZV) e. V. die Ausbildung zum Wanderrittführer an. Als geprüfter IPZV-Wanderrittführer ist man in der Lage, eine Reitergruppe unter Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen und der Belange des Umweltschutzes, Tierschutzes und der Unfallverhütung im Straßenverkehr und im Gelände zu führen. Des Weiteren kann der Wanderrittführer mehrtägige Wanderritte planen, organisieren und leiten.

So wird man IPZV-Wanderrittführer

Wanderrittführer im IPZV können Mitglieder des Verbandes werden, die älter als 18 Jahre sind, das IPZV-Freizeitreitabzeichen in Silber besitzen oder Rittbegleiter sind sowie den Sachkundenachweis gemacht haben und nachgewiesene Ritterfahrung über mindestens 200 Kilometer auf Wanderritten oder Distanzritten haben. Auch ein neuer Erste-Hilfe-Kurs und ein polizeiliches Führungszeugnis sind notwendig, um den IPZV-Lehrgang für Wanderrittführer zu absolvieren. Dieser geht über 40 Unterrichtseinheiten, dauert also meist eine ganze Woche, und lehrt das Reiten im Gelände, das Leiten einer Reitergruppe im Gelände, das Reiten mit Handpferd und das Training von Pferd und Reiter. Also viel Praxis am und mit dem Pferd.

Auch die Betreuung der Reiter und Pferde, der Ausrüstung/Sattel/Zäumung, die Streckenauswahl und die Orientierung im Gelände mit Karte und Kompass sind Prüfungsbestandteile. Daneben wird viel Theorie über das richtige Verhalten im Straßenverkehr, Betretungsrecht, Aufsichtspflicht, Haftung und Unfallverhütung gelehrt. Und natürlich darf die Beurteilung der Verfassung des Pferdes und das Erkennen und Vermeiden von Krankheiten (Erste Hilfe bei Pferden) nicht unberücksichtigt bleiben, damit Pferd und Reiter während des Wanderritts gesund und munter bleiben.

In der zweiteiligen Prüfung (Theorie und Praxis) wird all dieses Wissen nicht nur abgefragt, im praktischen Teil muss der zukünftige Wanderrittführer auch beweisen, dass er eine Gruppe durch Gelände und Straßenverkehr inklusive Temporeiten und Versorgung bringen kann. Die Prüfung selbst wird von zwei IPVZ-Ausbildern abgenommen.


Die IPZV-Ausbildungsskala für Wanderreiter

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IPZV-Rittbegleiter

Die Vorstufe zum Wanderrittführer im IPZV e. V. ist der IPZV-Rittbegleiter, der durch seine Ausbildung in der Lage ist, eine Gruppe auf Ausritten fachgerecht zu begleiten. Hierzu muss der Rittbegleiter IPZV-Mitglied und mindestens 18 Jahre alt sein sowie das IPZV-Freizeitreitabzeichen Bronze oder Reitabzeichen Bronze abgelegt und den Nachweis über einen neueren Erste-Hilfe-Kurs vorlegen. Auch bei der Rittbegleiter-Ausbildung müssen 40 Unterrichtseinheiten, also fünf Tage, absolviert werden, in denen man die Überprüfung der Ausrüstung von Pferd und Reiter ebenso lernt, wie Grundwissen zu Maßnahmen bei Unfällen und zum Verhalten im Straßenverkehr und Gelände. In der Praxisprüfung wird ein Gruppenausritt durchgeführt, bei dem jeder Prüfling die Führung übernehmen und dabei beweisen muss, dass er eine Gruppe begleiten, leiten und auch im Gelände führen kann. Den Rittbegleiter können IPZV-Trainer A, B, oder C sowie IPZV-Ausbilder abnehmen.

Über ihre Erfahrungen als Ausrichterin und Rittführerin von Wanderritten im IPZV Baden-Württemberg sprach das WanderreiterMagazin mit Anke Spiegler.

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WanderreiterMagazin: Gibt es Unterschiede zwischen Wanderritten mit Warmblütern oder anderen Rassen und Isländern?

Anke Spiegler: Es gibt beim Führen eines Wanderrittes keinen Unterschied zwischen Isländern und anderen Rassen. Eher ist es ein Unterschied, was für eine Art Gruppe man hat. Wanderritt kann ja alles sein, von alleine bis zu einer großen Gruppe. Wenn man jetzt von einer „größeren“ Gruppe ausgeht (sagen wir ab 10 Reiter), dann muss man ein paar Dinge eben wissen.
 
WanderreiterMagazin: Was muss man wissen beim Wanderreiten?

Anke Spiegler: Für die Führung eines Wanderritts muss man die Grundregeln des Reitens in einer Gruppe kennen, aber auch rechtliches Wissen über das Reiten in dem jeweiligen Gelände haben, z. B. welche Wege man überhaupt reiten darf. Zumindest ein gewisses Grundwissen über Krankheiten bei Pferden und ein Grundwissen über erste Hilfe beim Reiter sollte vorhanden sein. Als Rittführer muss man entscheiden können, ob ein Pferd weiter fähig ist, den Ritt zu absolvieren oder nicht. Oder zu entscheiden, dass das Pferd nicht fähig ist (Alter, Kondition etc.) den Ritt weiter zu führen.

Man muss außerdem fähig sein, eine Karte zu lesen und einen Kompass oder ein GPS-Gerät zu bedienen, und die Strecke abschätzen zu können. Dieser Punkt wird gerne vergessen, ist aber vor allem im fremden Gelände unabdingbar und nicht ganz einfach.

Man muss sein eigenes Pony genügend im Griff haben und es beherrschen, eine große Gruppe zu führen. Beispielsweise darf das Tempo sowohl im Schritt als auch im Tölt/Trab nicht zu schnell bzw. zu langsam sein.

Man muss gewisse „Gefahrenpotenziale“ einschätzen können, wie das Reiten an großen Straßen. Muss hier geführt werden oder besser nicht? etc. Im Zweifelsfall muss man das als Rittführer entscheiden, egal was die anderen sagen.

Man braucht einfach eine gewisse „Führungsmentalität“, d. h. die Mitreiter müssen den Rittführer auch als Rittführer akzeptieren. Das geht meines Erachtens auch nur mit einem gewissen Auftreten. Wenn man eine Gruppe hat, die sich gut kennt, ist das kein Problem, aber bei fremd zusammengewürfelten Gruppen kann das schwierig werden. Zumal es ja jedermanns Hobby ist und es damit für den einen oder anderen plötzlich zum Problem wird, wenn ein anderer das Sagen haben soll, der ja auch nur ein „Hobbyreiter“ ist. Das ist etwas, was sich nur schwer lernen lässt und man braucht unter Umständen ein recht dickes Fell.

WanderreiterMagazin: Ist die Ausbildung zum Wanderrittführer für Dich wichtig?

Anke Spiegler: Ein paar Punkte lassen sich sicher in einer Prüfung lernen (Krankheiten, Karte, Recht etc.), ein paar Punkte nicht. Ich finde, dass Erfahrung schon eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Man kann noch so viele Prüfungen machen, wenn man nicht ein paar solcher Ritte selber mitgemacht hat und vielleicht auch nicht zusammen mit einem erfahrenen Rittführer geführt hat. Ansonsten kann es schwierig werden, plötzlich die Verantwortung für so viele Personen zu übernehmen.

WanderreiterMagazin: Musstest du schon mal auf das Wissen eines Wanderrittführers zurückgreifen?

Anke Spiegler: Ich persönlich habe noch nicht darauf zurückgreifen müssen. Das einzige, worauf ich zurückgreifen musste, war das Wissen bzw. die Hilfe eines Tierarztes bei größeren Verletzungen oder auch die Hilfe von Personen mit medizinischer Ausbildung. Deshalb ist es auf wirklich großen Ritten (Stafettenritt) schon nicht schlecht, wenn solche Personen dabei sind. Denn die eigene Ausbildung in Sachen Medizin (egal welche) kann nie so gut sein, wie die eines Profi. Das weiß man ja vom eigenen Führerschein und Erste-Hilfe-Kurs. Den sollte jeder von Zeit zu Zeit auffrischen.
 
WanderreiterMagazin: Worauf muss ein Reiter versicherungstechnisch und rechtlich besonders achten, wenn er einen Wanderritt durchführt?

Anke Spiegler: Man sollte wissen, wie ein Ritt versicherungstechnisch abgesichert ist. Bei den offiziellen IPZV-Ritten, wie alle Wanderreitcupritte und auch der Stafettenritt, ist man als Veranstalter und auch als Rittführer über die IPZV-Versicherung abgesichert. Außerdem sollte bei jeder offiziellen Ausschreibung klar sein, dass die Reiter ein gewisses eigenes Haftungsrisiko tragen müssen. Wobei ich in 25 Jahren IPZV-Ritten noch nie einen wirklichen Versicherungsfall erlebt habe. Alle „Unfälle“, wenn denn passiert, sind von den Reitern selbst abgewickelt worden. Es ist bei uns aber auch noch nie zu wirklich schlimmen Unfällen gekommen. Auch das liegt schon in der Hand des Rittführers. Bei einem Ritt mit über zehn Pferden sollte meiner Erfahrung nach beispielsweise nicht galoppiert werden. Und in den Pausen muss darauf geachtet werden, dass die Ponys richtig angebunden sind. Wir mussten auf dem letzten Stafettenritt wieder die Erfahrung machen, dass das tatsächlich nicht alle Reiter wissen.
 
WanderreiterMagazin: Was macht Deiner Meinung nach das Islandpferd zu einem so guten Wanderreitpferd?

Anke Spiegler: Ich bin seit weit über 30 Jahren von dieser Rasse überzeugt. Vor allem auch vom Charakter. Ich finde, es gibt keine andere Rasse, die im Umgang so problemlos zu handhaben ist, wie der Isländer. Und trotzdem sind die Pferde nicht „langweilig“ beim Reiten. Durch die fast 100prozentig richtige Aufzucht der Isländer sind diese einfach in der Gruppe mit den wenigsten Problemen behaftet. Es gibt ja relativ selten richtige „Schläger“ oder „Beißer“ etc. Binde mal 30 fremde Großpferde einfach nebeneinander an oder eben 30 Isländer. In ganz seltenen Fällen ist bei den Isländern eine Unruhe mittags drin. Und das sind dann ganz vereinzelte Tiere.

Zudem ist das Durchhaltevermögen der Isländer eben doch besonders. Vielleicht sind sie nicht als Distanzpferde geeignet, aber in Sachen Zähigkeit macht ihnen kaum eine andere Rasse etwas vor. Und dabei sind sie auch noch anspruchslos in der Unterbringung. Vergleicht man einen Araber mit einem Isländer, ist der Araber sicher schneller und sicher auch zäh, aber kaum ein Araber wird sich am Ende des Tages nur mit einer Wiese und ein paar „Bändel“ als Paddock zufrieden geben, wenn es notwendig ist. Ich habe schon fünf oder mehr Tagesritte gemacht, in denen mein Pony nicht einmal ein Löffel Kraftfutter gesehen hat, und es war kein Problem. Auch die Unterbringung von 30 oder mehr Pferden in relativ einfachen Paddocks habe ich so bei anderen Rassen noch nicht gesehen.
 
WanderreiterMagazin: Was war Dein schönstes Wanderreit-Erlebnis?

Anke Spiegler: Ich hatte sehr viele schöne Erlebnisse. Allerdings ist es etwas völlig anderes, zu zweit mit Packpferd ohne Quartierplanung unterwegs zu sein, oder mit 30 anderen, als Sternritt oder mit geplanten Quartieren. Beides hat seinen eigenen Reiz.

Zu zweit hat man tolle Erlebnisse mit der „Bevölkerung“. Das Entgegenkommen der Menschen unterwegs ist oft einzigartig. Ich bin auf einem Ritt alleine vor 20 Jahren fünf Tage komplett verköstigt und untergebracht worden, ohne dass irgendjemand einen Cent dafür wollte. Im Gegenteil, die Leute waren oft beleidigt, wenn man dafür bezahlen wollte. Und es ist auch täglich eine Herausforderung, wo man unterkommt und wie der Weg sein wird. Wenn man das zur eigenen Zufriedenheit löst, dann ist das schon etwas Besonderes.
In der Gruppe hat man dafür ein tolles Gemeinschaftsgefühl und viel Spaß und man kann Situationen zusammen genießen oder auch bewältigen. Und man braucht sich keine Gedanken über Quartier und oft auch Wege zu machen.  Deshalb kann ich ein einzelnes Erlebnis gar nicht beziffern.  

WanderreiterMagazin:
Wir danken Dir für das Gespräch!

 
 
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