Praxiswissen:

Anti-Ausbrech-Training

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Text: Dr. Helmut Vogelsberger

Sie möchten mit Ihrem Pferd auf große Tour und das intensive Erlebnis des Reisens zu Pferd genießen. Eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass das Wanderpferd zum einen die drei großen „W“ erlernt hat: Willig, Weichen und Warten, und zwar in jeder Situation, die Ihnen unterwegs begegnen kann. Eine weitere Voraussetzung ist aber auch, dass Sie Ihr Pferd auf den Stationen sicher unterbringen können. Natürlich müssen die Unterbringungsmöglichkeiten auf den Stationen vorher in quantitativer und qualitativer Hinsicht geprüft werden. In quantitativer Hinsicht spielen eine ausreichende Futter- und Wasserversorgung und ausreichend Fläche eine Rolle. Qualitativ sind die Qualität des Wassers, des Futterangebotes und die Qualität der Pferdeunterbringung von Bedeutung. Hinweise liefern hier die Stationsbeschreibungen der regionalen Interessengemeinschaften (Eifel zu Pferd, Westerwald-Taunus zu Pferd etc.) sowie die Bewertungen der LAG Laufstallarbeitsgemeinschaft für artgerechte Pferdehaltung e. V.

Aber: Was tun, wenn Sie mit einem Ausbrecherkönig unterwegs sein wollen?

Wenn Sie Verkehrsunfälle mit Personen- und Sachschäden, Materialschäden (wie umgerissene Zäune) und zu Recht aufgebrachte Land- und Forstwirte vermeiden möchten, müssen Sie dieses Problem vor dem Ritt in den Griff bekommen. Das nachfolgende 5-Stufen-Programm kann Sie dabei unterstützen.

Stufe 1 – Hinter dem Zaun ist vor dem Zaun

Für einige Pferde ist nichts attraktiver, als die nächste Koppel oder gar der Wald. Sofern Sie den Ausbrecherkönig ansonsten im Herdenverband halten, muss der König vorübergehend alleine regieren, also separat und auch nicht in Sichtweite zu seiner/einer Herde stehen. Stecken Sie nun innerhalb der Koppel ein kleineres Stück ab und verwende dabei gut leitendes Zaunmaterial. Die Bodeneintrittsstelle der Pfosten/Stangen muss von Bewuchs befreit werden, die Wiese entlang der inneren Umzäunung sollte abgemäht sein. Ziehen Sie drei Reihen Litze/Cord und setzen Sie die untere Reihe etwas tiefer als ansonsten üblich. Wählen Sie eine ausreichende Stromquelle und ein geeignetes Elektrozaungerät, sodass Sie eine Spannung von mindestens 4.000 bis 5.000 Volt erreichen. Im Internet, beispielsweise bei Patura und Gallagher, finden Sie interaktive Zaunrechner, die Sie bei der Auswahl des Elektrogerätes unterstützen. Die Leitfähigkeit des Stroms kann dadurch unterstützt werden, dass Sie das Fell des Ausbrecherkönigs an Hals und Brust nass machen.

Stufe 2 – Die Provokation

Sollte es dem König gelingen, Stufe 1 zu überwinden, können Sie den erzieherischen Stromkontakt dadurch herstellen, indem Sie das Pferd am Seil an den stromführenden inneren Zaun heranführen.

Stufe 3 – Die Antenne

Ignoriert das Pferd die Stufen 1 und 2, was insbesondere bei besonders dickfelligen Typen durchaus der Fall sein kann, können Sie Ihren König in seiner Selbsteinschätzung täuschen. Dazu verwenden Sie ein normales Stallhalfter und ca. 1,50 bis 2,00 Meter stabilen, aber nicht zu dicken Draht. Der Draht wird mit dem Ende spiralförmig um das linke respektive rechte Backenstück des Stallhalfters gewickelt, jeweils ausgehend von der Mitte des Genickstückes. Das untere Ende des Drahtes befestigen Sie am unteren Backenring des Halfters. Das Mittelteil des Drahtes ragt nun als etwa 60 Zentimeter lange Schlaufe vom Genickstück des Halfters aus nach oben. Diese Drahtschlaufe wird am oberen Ende zusammengedrückt, sodass zwei aneinander liegende Drähte entstehen. Diese Drähte werden nun umeinander gedreht und es entsteht eine stabile Drahtantenne. Versucht nun das Pferd mit dem Kopf voran durch die Litze zu steigen, wird die Antenne Kontakt mit dem Strom erhalten. Die Wirkung kann auch hier durch Anfeuchten des Felles (Hals und Brust) gesteigert werden.

Stufe 4 – Intensivstation und Sicherungsverwahrung

Sollten Sie auch mit der Antenne keinen Erfolg haben, dürfte als Intensivstation für die Unterbringung des Pferdes nur noch ein hoher, fester Holzzaun geeignet sein, den Sie allerdings nur auf den wenigsten Wanderreitstationen vorfinden werden. Eine weitere Alternative ist die Sicherungsverwahrung in der Box.

Stufe 5 – Drum prüfe, wer sich bindet

Erweist sich Ihr Pferd als nicht lernfähig, ist es möglicherweise auch nicht als Wanderpferd geeignet. In diesem Fall erweisen Sie sich selbst, dem Pferd und Ihrer Umwelt einen Dienst, wenn Sie dieses Pferd auf Wanderritten nicht zum Einsatz bringen.

 
 
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