Abschalten und genießen:

Auf Rund(lings)tour durchs Wendland

Ein Wanderreitertraum im Wendland © Sabine Hafner
Wanderreiten im Wendland


Es gibt sie noch, die Regionen in Deutschland, in denen ein liberales Reitrecht das Reiten auf nahezu allen Wegen erlaubt und in der man dazu noch eine Natur entdecken kann, deren Artenvielfalt einzigartig ist. Eine dieser Regionen liegt im Grenzbereich von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt: das Wendland. Abschalten heißt hier die Devise nicht nur für Wanderreiter, abschalten und genießen.

Ursprüngliche Flussauen und Wälder, leuchtende Heide und wogende Getreidefelder, Störche, Seeadler, malerische Seen und Fachwerk. Dazu eine bunte Mischung aus Geschichte und Kultur. Das sind die Zutaten für einen Wanderreitertraum, eine Landschaft voller Abwechslung und Kontraste: das Wendland. Zwischen Hamburg und Berlin, Schwerin und Magdeburg liegt die Erlebnisregion Elbtalaue-Wendland, eingebettet in das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue und den Naturpark Elbhöhen-Wendland. Eine Region mit großem Herz für Wanderreiter. Selten stößt man auf eine so gute Reitinfrastruktur wie hier im Land der Hannoveraner. Das flächendeckende Netz an Unterkünften und Rastmöglichkeiten für Ross und Reiter, gepaart mit einem sehr guten Reitwegenetz ermöglicht eine individuelle Eroberung der Gegend. Aber keine Sorge, Raum für kleine und große Abenteuer bleibt genug!

Ein optimaler Ausgangspunkt für Reittouren ist die kleine Fachwerkstadt Hitzacker, an der Mündung des Flusses Jeetzel in die Elbe gelegen. Von hier aus lässt sich das Urstromtal der Elbe zu Pferd genauso gut erkunden wie die Höhenzüge des „Drawehn“, eine durch eiszeitliche Gletscherablagerungen entstandene Hügellandschaft. Insgesamt acht ausgearbeitete Reitrouten mit naturkundlichen Hinweisen über Flora und Fauna rund um Hitzacker stellt die Broschüre „Hitzacker Reitempfehlungen“ bereit; die längste Tour 28, die kürzeste 7 Kilometer lang. In die Wälder der Göhrde, ein ehemaliges kaiserliches Jagdrevier, führen z. B. Tour Nummer 3 und 8. Die Göhrde ist mit ca. 60 Quadratkilometern der größte zusammenhängende Mischwald Norddeutschlands, und wie zu Kaisers Zeiten die Heimat von Hirschen, Wildschweinen und anderen Wildtieren.

Auch die Pferde scheinen die schöne Aussicht zu genießen. © Huberta Fritz
Wanderreiten im Wendland


Wer lieber in Richtung Elbe reitet, der sollte sich die Touren Nummer 1 und 2 vornehmen. Vorausgesetzt es ist kein Hochwasser, denn dann sind die Wege nahe dem Elbufer überschwemmt und nicht bereitbar. Die Elbe ist es, die hier den Rhythmus der Jahreszeiten mit Niedrigwasser im Sommer und mit überfluteten Auen und Wiesen im Herbst und Frühling prägt. Meistens kommt man jedoch trockenen Fußes über Feld- und Sandwege in die einzigartige Flussauenlandschaft, die nicht umsonst von der UNESCO als Biosphärenreservat ausgezeichnet wurde. Ein Viertel der in Niedersachsen brütenden Weißstörche leben hier. Kaum ein Dorf entlang der Elbe, in dem Meister Adebar nicht ein Nest gebaut hat. Aber auch Seeadler, Wildgänse und weitere teilweise gefährdete Vogelarten finden hier im Winterhalbjahr zu Tausenden optimale Nahrungs- und Rastmöglichkeiten.

Doch nicht nur für Vögel bieten die Elbtalauen eine Heimat. Mit etwas Glück kann der aufmerksame Wanderreiter auch einen der seltenen Elbe-Biber oder einen Fischotter entdecken. Und in den Sumpfbereichen sind teilweise gefährdete Kröten, Frösche und Molche zu Hause, deren Paarungsrufe den Reiter von April bis Mai in den Nachmittags- und Abendstunden begleiten.

Rundritte für Sportskanonen

Gleich zwei besondere Attraktionen für Reiturlauber befinden sich elbaufwärts von Hitzacker bei Gartow: Hier gibt es den vermutlich einzigen Trimm-Dich-Pfad Deutschlands für Pferd und Reiter, einen Gymnastikparcour mit 18 Stationen. Während die Reiter u. a. Übungen für Rücken, Beine und Gleichgewicht absolvieren dürfen, schwitzen die Pferde bei Seitwärtsgängen und Stangentreten. Viel Action und Spaß verspricht auch die so genannte „Dünenachterbahn“, eine Geländestrecke bergauf und bergab, durch den Wald und mit zwölf Hindernissen. In der „Reitkarte Gartow“ werden außerdem acht ausgeschilderte Reittouren zwischen 4 und 22 Kilometer Länge beschrieben. Darunter sind Touren über ausgedehnte Wälder, Wiesen- und Weideflächen rund um den Gartower See, wo die Pferde an heißen Sommertagen an einer Pferdebadestelle eine Abkühlung genießen können, über den Höhbeck, eine eiszeitliche und bis zu 76 Meter hohe Erhebung, oder entlang des ehemaligen Grenzbaches Seege.

Mal durch hügeliges Gelände und lichte Kiefernwälder ... © Huberta Fritz
Wanderreiten im Wendland


Losreiten – Wohlfühlen

Einer aktiven und engagierten Wanderreiterszene im Wendland sind gut ausgearbeitete mehrtägige Wanderreittouren zu verdanken. Da wäre z. B. der „Vierländer-Wanderritt“, der für die fs-Spur 2008 (Leserwanderritt der Zeitschrift Pegasus Freizeit im Sattel) entwickelt wurde. In sechs Tagesetappen von ca. 25 bis 30 Kilometern Länge zeigt dieser Ritt im Vierländereck Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg  das Wendland in all seinen Facetten. Ein landschaftliches Highlight folgt dabei dem nächsten: die Nemitzer Heide, die sich im Spätsommer in ein leuchtendes, lila Blütenmeer verwandelt, die Clenzer Schweiz mit bewaldeten Höhenzügen und tiefen Tälern oder die grünen Elbmarschen.

Doch nicht nur landschaftlich hat der „Vier-Länder-Wanderritt“ einiges zu bieten: Die für das Wendland so typischen Rundlingsdörfer mit ihren reich verzierten Fachwerkhäusern schicken die Reiter auf eine Zeitreise. Bis heute ist der Ursprung der Rundlinge rätselhaft. Vermutlich sind die romantischen kreisförmigen Dörfer slawischen Ursprungs. Dafür könnten auch die oft eigentümlichen Ortsnamen, wie  Tolstefanz, Witzeetze, Schreyahn oder Mammoißel, sprechen, die auf eine slawische Sprachenklave schließen lassen. Insgesamt acht Wanderreitstationen haben sich für den „Vier-Länder-Wanderritt„ zusammengeschlossen und bieten den Reitern neben Unterkunft und Verpflegung auch den Gepäcktransfer oder eine Rittbegleitung an.

... mal durch grüne Elbmarschen © Huberta Fritz
Wanderreiten durch Elbtalauen


An die ehemalige innerdeutsche Grenze führt der „Ritt der Ruhe“. Die Wanderreitstation "Pferde- und Freizeitparadies Ziemendorf" ist Start- und Endpunkt des 3-tägigen Rundritts durch das „Grüne Band“. Der Name verspricht Einsamkeit, Entspannung und Natur pur abseits vom Lärm und Stress der Großstädte und Straßen. Der „Ritt der Ruhe“ ist ein Teilstück des großen „Vier-Länder-Wanderritts“ und kann entweder nach Karte oder unter der Leitung von fachkundigen Rittführern geritten werden. Die drei teilnehmenden Wanderreitstationen bieten eine Übernachtung im Doppelzimmer, ein ausgiebiges Frühstück, Unterkunft und Verpflegung für die Pferde, Kartenmaterial und auf Wunsch Abendessen, Lunchpaket und Gepäcktransfer.

Und zur Vorbereitung?

Zur Vorbereitung auf einen Reiturlaub im Wendland empfiehlt sich das Wanderrittbuch „Auf Trab im Wendland“. Neben einem Überblick über die schönsten Reittouren in der Region mit ausführlichem Kartenmaterial und Hinweisen auf Attraktionen am Wegesrand finden sich in dem Buch wichtige Adressen, z. B. von Hufschmieden, Übernachtungsmöglichkeiten oder Tierärzten.

Ausführliche Informationen und Hilfestellung bei der Tourenplanung erhalten interessierte Reiter außerdem beim Arbeitskreis „Wanderreiten im Wendland“. Die insgesamt 40 teilnehmenden Wanderreitstationen des Arbeitskreises bieten außerdem Übernachtungsmöglichkeiten und Verpflegung für Zwei- und Vierbeiner, geführte Wanderritte, z. T. auf Leihpferden, und einen umfangreichen Service wie Gepäcktransfer und GPS-Streckenvorschläge.