Sattelt die Pferde - Auf zur Ehrenburg!

Feiern, fachsimpeln, Pläne schmieden. Die Ehrenburg bot eine atemberaubende Kulisse für den gleichnamigen Konvent, zu dem Wanderreiter aus allen Himmelsrichtungen geritten kamen.

Donnerloch – vor den Pferden tut sich ein tiefer Abgrund auf, in dem es früher sehr grausam zugegangen sein muss. Die Germanen haben hier zu Ehren ihres Gottes Donar Menschen geopfert. Dort wo früher das Blut der Geopferten das Wasser rot färbte, stehen jetzt  Wanderreiter mit blankem Oberkörper und waschen sich unter dem Wasserfall den Staub und Schweiß des Tages ab. Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad hat es sie an diesem Morgen durch den Wald hier hinuntergezogen, um im Schatten der Bäume das im Bachlauf gekühlte Bier zu genießen. Nachdem die Flaschen geleert sind, steigen sie mit noch nassen Haaren wieder in den Sattel und reiten erneut hinauf – zur Ehrenburg, Schauplatz eines alljährlich stattfindenden Spektakels, dass mehr als fünfzig Wanderreiter und ihre Trossbegleitung in das Mittelalter entführt: Der Ehrenburger Reiterkonvent.

Das Ringstechen ist die erste Turnierdisziplin

Oben angekommen sind die Haare der Reiter längst von der sengenden Sonne getrocknet. Schwer lastet die Mittagshitze über der Hochebene. Auf der Festspielwiese, keinen Kilometer von der Ehrenburg entfernt,  schützt zum Glück ein Zeltdach vor den hohen Temperaturen. Nachdem die Pferde versorgt sind, genießen die Reiter hier erst ein ausgiebiges Mahl, bevor sie sich für die anstehenden Wettkämpfe fertig machen. Von Donnerstag bis Samstag haben sie ihre bürgerlichen Namen abgelegt und heißen jetzt Lancelot, Parzival oder Bors. Wie jedes Jahr steht der Reiterkonvent unter einem bestimmten Motto. „Dieses Jahr feiern wir die Ritter der Tafelrunde“, erklärte Gaby Kurz, die gemeinsam mit ihrem Mann, Gerhard Kurz, den Konvent veranstaltet  am Abend zuvor. Die Tafelrunde steht für Einigkeit und Gleichheit. Der Tisch der legendären Ritter war rund – jeder sitzt von jedem gleich weit entfernt. Keiner ist besser oder steht höher als der andere.

Was für ein wunderbares Motto für ein Stelldichein der Wanderreiter, die am 16. Juni aus allen Richtungen zur Ehrenburg geritten kamen. Ist es doch genau das, was die Treffen unter uns so wunderbar macht. Es geht nicht um Schleifen und Pokale, sondern darum gemeinsam zu feiern, zu tanzen, zu lachen und Pläne zu schmieden, um einen Austausch unter Gleichgesinnten. Schon am ersten Abend wurde die ganze Faszination des Wanderreitens wieder spürbar. Da hörten wir von Julia und Michael Gossen, die ihre beiden Camarguepferde am letzten Tag des Konvents, am Samstag den 18. Juni, satteln, um in drei Wochen wieder zurück in die Heimat zu reiten. Mit Zelt, Paddock und allem was Pferd und Reiter unterwegs benötigen, versteht sich. Oder die beiden Damen, die gleich vier Monate einplanen, um schließlich das Allgäu vom Pferderücken aus zu erobern.  


Fotostrecke

Aufstieg auf die große Bastion der Ehrenburg
Aufstieg auf die große Bastion der Ehrenburg 1.7 Mb
Der Burgherr Gerhard Kurz reicht ein Horn gefüllt mit köstlichem Met (Honigwein)
Der Burgherr Gerhard Kurz reicht ein Horn gefüllt mit köstlichem Met (Honigwein) 2.6 Mb
Edle Rittersleut
Edle Rittersleut 2.0 Mb
Auf Traumpfaden rund um die Ehrenburg unterwegs
Auf Traumpfaden rund um die Ehrenburg unterwegs 2.6 Mb
Piet Rott genießt die Pause im Donnerloch
Piet Rott genießt die Pause im Donnerloch 2.3 Mb
Yeti schlägt den Roland
Yeti schlägt den Roland 2.0 Mb
Hoch zu Ross geht es darum, dass der Roland sich nach dem Anstich mit der Lanze möglichst oft dreht
Hoch zu Ross geht es darum, dass der Roland sich nach dem Anstich mit der Lanze möglichst oft dreht 1.8 Mb
Heitere Spielmannsleut auf der Ehrenburg
Heitere Spielmannsleut auf der Ehrenburg 1.9 Mb

Doch vor der Abreise steht erst die Ankunft. Und die hatte es wieder in sich: In edlen Gewändern, mit Kuvertüren, Fahnen und rasselnden Kettenhemden kamen die Teilnehmer angeritten. Die Hufe der Pferde klapperten über die hölzerne Brücke durch das Burgtor und durch den Bastionsturm, in dem früher Kanonen standen, die die Burg vor Feinden schützen sollten, hoch hinauf auf das riesige Plateau, das einen atemberaubenden Weitblick auf das Tal und die umliegenden Berge bietet. Hier wartet der Burgherr, Gerhard Kurz, bereits mit kühlem Met, den er den Reitern zur Begrüßung reicht. Bei Temperaturen um die dreißig Grad eine willkommene Erfrischung, von der jeder aber vorsichtig genießt. Ausnahme: Yeti, Urgestein der Szene. Unfassbar, wie er sich im Sattel weit zurück lehnt und das Horn mit großen Schlucken leert. Jeden anderen hätte der Alkohol danach aus dem Sattel gehauen – aber Yeti? Nicht ihn. Nach dem alle Reiter ihre Pferde versorgt haben, geht der Abend weiter mit einem köstlichen Buffet und Livemusik. Rock und Pop hallt durch den Innenhof – was wohl die ehemaligen Burgherren dazu gesagt hätten?

Mittelalterlich wird es dann am nächsten Tag. Nachdem die Reiter von ihrem morgendlichen Ritt rund um die Burg zurückgekehrt sind und sich gestärkt haben, heißt es antreten zum Ringstechen, Bogenschießen und zum Kampf gegen den Roland. Sechs Gruppen treten gegeneinander an, jede von ihnen unter dem Namen eines der legendären Ritter der Tafelrunde. Aber auch wenn die Reiter die Prüfungen möglichst erfolgreich bestehen wollen, steht doch der Spaß im Mittelpunkt. Und als anschließend beim Säckeschlagen Piet Rott als letzter Mann im Wettkampf sich den heranstürmenden Reiterinnen geschlagen geben muss, stehen tatsächlich zwei Frauen im Finale.

Aber wie heißt es so schön: dabei sein ist alles. Und so ist der Sieg weniger entscheidend als das anschließende Festgelage im Burghof bei mittelalterlicher Musik. Und als nach Mitternacht Ulli Hecker noch seine Gitarre aus dem Koffer holt und sein unnachahmliches Spiel im Burghof wiederhallt, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Was soll man abschließend sagen – wunderbar war’s. Gaby und Gerhard Kurz ist es gelungen, ein Fest für die Sinne auf die Beine zu stellen. Und wir freuen uns schon auf nächstes Jahr. Vom 21. bis 23. Juli heißt es wieder: Sattelt die Pferde - Auf zur Ehrenburg!

   

 

 

 
 
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